Üb Aug und Hand, halt rein den Stand.

Gründung und Entwicklung der Schießgruppe Rhade

Die Schießgruppe Rhade e.V. wurde 2015 60 Jahre alt. In zwei Menschengenerationen hat sie ihren festen Platz als integratives Bindeglied innerhalb der Dorfgemeinschaft gefunden.

Anfänge und Gründung

Die Anfänge des Vereinswesens in Deutschland reichen bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Damals waren Vereine eine neuartige und soziale Organisationsform. Diese Organisationsform war durch freiwilligen Ein- und Austritt ihrer Mitglieder gekennzeichnet. Vereine machten ein Zusammenwirken von Menschen, unabhängig von Herkunft und Status, möglich – für das 18. Jahrhundert eine revolutionäre Entwicklung. In den Zeiten der Weimarer Republik erlebte das Vereinswesen eine bis dahin nicht gekannte Blütezeit, wohingegen die Zahl der Vereine zu Zeiten des Nationalsozialismus deutlich zurückging.

Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland und in den folgenden Jahren stieg die Zahl der Vereinsgründungen wieder deutlich an, ein Zeichen des langsam wachsenden Wohlstandes und des Bedürfnisses vieler Menschen nach Individualität. In den 1960er und 1970er Jahren galten Vereine im Zuge der aufstrebenden Bürgerbewegungen dagegen als kleinbürgerlich und verstaubt. Nach dem sich dieser negative Trend ab Mitte der 1970er Jahre wieder umgekehrt hatte, befinden sich Vereine nunmehr seit einigen Jahren in einem Anpassungs- und Veränderungsprozess. Der demografische Wandel, der Rückgang der Zuschüsse seitens der öffentlichen Hand und auch die Einführung von Ganztagsschulen zwingen die Vereine sich aktiv mit den Veränderungen in der Gesellschaft auseinanderzusetzen.

In diesem gesellschaftlichen Spannungsfeld positioniert sich die Schießgruppe Rhade seit vielen Jahren in einmaliger Form.

Die Schießgruppe wurde im Jahre 1955 von neun schießsportinteressierten jungen Männern aus der Taufe gehoben. Bei diesen Männern der ersten Stunde handelt es sich um

  • Josef Gülker
  • Hubert Frerick
  • Heinrich Nienhaus
  • Franz Gertdenken
  • Heinz Gertdenken
  • Clemens Gertdenken
  • Josef Schulte
  • Franz Schulte
  • Otto Windbrake.

Den Vorsitz des neugegründeten Vereines übernahm Josef Gülker.

Die Gründungsmitglieder Franz Schulte, Josef Schulte und Heinz Gertdenken nehmen heute noch am Vereinsgeschehen teil.

Erster Schießstand

In den ersten Jahren wurde die Schießgruppe Rhade von vielen Bürgern als Unterabteilung des Bürgerschützenvereins angesehen, da die Gründung in enger Verbindung und mit freundschaftlicher Unterstützung des Schützenvereinsvorstandes erfolgte. So waren auch die ersten beiden Luftgewehre des Vereins ein Geschenk der Bürgerschützen. Gottlob kann man auch heute noch die enge Verbindung aus den Gründungsjahren in vielen Bereichen in Form einer freund- und partnerschaftlichen Zusammenarbeit der beiden Vereine wiederfinden. So wird das jährliche Kinderschützenfest anlässlich des Festes der Bürgerschützen aktuell unter der Regie von Karl-Heinz Frerick, Clemens Hinsken, Matthias und Pia Hampel sowie Horst Plauschenat organisiert und betreut.

Die erste Übungsstätte befand sich damals in der Gaststätte Nienhaus, heute Gasthof Nienhaus-Venhoff in der Schützenstraße. Der damalige Wirt Heinz Nienhaus stellte dem Verein den Saal für die wöchentlichen samstagabendlichen Schießübungen zur Verfügung. Geschossen wurde auf 12er-Scheiben in drei Stellungen, sitzend, kniend und stehend. Da dem Verein zur damaligen Zeit noch die Mittel für eine elektrische -oder zumindest mechanische- Seilzuganlage fehlten, stand an jedem Kugelfang ein zweiter Schütze, der nach jeweils fünf Schuss die Zielscheibe wechselte. In der heutigen Zeit ein unvorstellbares Prozedere. Dennoch brachten diese Übungsabende den Mitgliedern der Schießgruppe viel Freude und Abwechselung und führten schon bald zu beachtlichen Ergebnissen.

In den Monaten nach der Gründungsversammlung entschlossen sich eine stetig steigende Anzahl junger Männer dem Verein beizutreten. Im Sommer des Jahres 1956 fand der erste Vergleichskampf gegen die Schießgruppe Holsterhausen-Dorf statt. Geschossen wurde mit einer aus zehn Schützen bestehenden Mannschaft. Der Wettkampf ging zwar verloren, aber er machte allen Teilnehmern Freude und stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Nach diesem Wettkampf trat die Schießgruppe dem Amtssportverband bei und in den folgenden Jahren wurden regelmäßig gegen Schießgruppen des Amtsbezirkes Dorsten sportliche Wettkämpfe ausgetragen. In diesen Wettkämpfen wurden jährlich die beste Mannschaft und die drei besten Einzelschützen des Amtsbezirkes ermittelt. Eine große Siegerehrung in festlichem Rahmen bildete dann für alle Schießgruppen des Amtsbezirkes Dorsten den Höhepunkt des Sportjahres.

Im Jahr 1957 wurden seitens der Schießgruppe die ersten zaghaften Versuche eine Mannschaft im Kleinkalibergewehr-Schießen (KK) zu etablieren, unternommen. Mit der Genehmigung des Revierförsters Josef Wolf wurde der KK-Stand des ehemaligen Kriegervereines Rhade, der sich im Forstpark der Gewerkschaft Lothringen befand (jetziger Standort der Vogelstange), entrümpelt und wieder hergerichtet. Ein vereinseigenes KK-Gewehr wurde gekauft und sonntags war dann von 10.00 bis 12.00 Uhr KK-Schießen anberaumt. Zu sportlichen Wettkämpfen und Meisterschaften im KK-Schießen aber kam es erst zum Beginn der 60er Jahre, als die Schießgruppe Raesfeld ihren neuen KK-Stand fertig gestellt hatte, den die Rhader Schützen gegen Zahlung einer Gebühr nutzen konnten.

Im Jahre 1958 trat Josef Gülker aus zeitlichen Gründen von seinen Aufgaben als 1. Vorsitzender zurück. Die Jahreshauptversammlung wählte daraufhin Franz Schulte zu seinem Nachfolger. Die Schießgruppe entwickelte sich in den darauf folgenden Jahren sehr positiv. So wuchs die Mitgliederzahl stetig und es wurde zusätzlich zu der zehnköpfigen Seniorenmannschaft eine Jugendmannschaft gegründet. Beide Mannschaften nahmen an Meisterschaften und Vergleichskämpfen teil, sowohl mit dem Luftgewehr als auch in der Disziplin KK. In dieser Zeit wurden auch auf Empfehlung des Deutschen-Schützenbundes die althergebrachten 12er-Scheiben durch 10er-Scheiben ersetzt.

Der Schützenbund

In die Mitte der 1960er Jahre fiel ein kompletter struktureller Umbruch aller Schießgruppen des Amtsbezirkes Dorsten. Aus versicherungs- und sicherheitstechnischen Gründen traten alle Schießgruppen dem Westfälischen-Schützenbund und dem Landessportbund bei. Da bei diesen beiden Dachorganisationen nur gerichtliche eingetragen Vereine Mitglieder werden konnten, ließ sich auch die Schießgruppe Rhade in das Vereinsregister beim Amtsgericht Dorsten eintragen.

Im Zuge der neuen Mitgliedschaft im Westfälischen Schützenbund wurde die Schießgruppe Rhade zusammen mit den weiteren neu eingetragenen Vereinen des bisherigen Amtsbezirkes Dorsten dem Schützenkreis Haltern, später in Schützenkreis Haltern-Dorsten, zugeordnet.

Alle Wettkämpfe innerhalb des Schützenkreises Haltern-Dorsten wurden mit 4er-Mannschaften durchgeführt. Jede Disziplin war in Klassen eingeteilt mit der Möglichkeit des Auf- und Abstiegs. Die Rhader Schießgruppe etablierte sich in drei Disziplinen und unterhielt Mannschaften im Luftgewehr-Schießen, Luftpistole-Schießen, Kleinkaliber-Schießen und später auch in zwei Pistolen-Disziplinen. Die Mitgliederzahl war auf über 70 angewachsen, mehr als die Hälfte davon nahm an den verschiedenen Wettkämpfen teil.

Dahlenkamp

Nach der kommunalen Neuordnung im Jahre 1975 mit der Zuordnung Rhades als ein Ortsteil der Stadt Dorsten plante die Verwaltung der Stadt ein Sportzentrum im neuen Ortsteil. Mit Unterstützung des damaligen Sportamtsleiters Gerd Brand, in Verbindung mit der Schützenkapelle Rhade sowie dem seinerzeitigen FC Rhade gelang es, in den Kellerräumen unter dem neu entstandenen Umkleidegebäude ein Domizil sowohl für die Schießgruppe als auch für die Schützenkapelle zu errichten. Das gesamte Gebäude wurde in Eigenleistung von den drei genannten Vereinen gebaut, im Jahre 1978 eingeweiht und der Stadt übergeben. Ihr 25-jähriges Jubiläum konnte die Schießgruppe im Jahre 1980 schon in den neuen Räumen feiern.

Im Jubiläumsjahr 1980 (25 Jahre) bestand der Verein aus 82 Mitgliedern. Der damalige Vorstand bestand aus dem 1. Vorsitzenden Franz Schulte, dem 2. Vorsitzenden Franz Mechlinski, dem Sportleiter Leonhard Krampe, den Jugendwarten Heinz Dieter Schmäing und Heinrich Schulte-Bocholt, dem 1. Kassenwart Heinz Gertdenken, dem 2. Kassenwart Franz Mechlinski, Kassierer Ludger Ebbing und dem Waffenwart Klemens Hinsken.

In der Folgezeit erlebte der Verein einen weiteren kräftigen Aufschwung. In dieser Zeit wurde auch das Schießen mit dem aufgelegten Gewehr für Mitglieder über 45 Jahren vom Westfälischen Schützenbund erlaubt und gefördert. Auch die Schießgruppe Rhade beteiligte sich zunächst mit einer, später dann mit drei Mannschaften an diesen neuen Wettbewerben.

Moderne Technik

Im Jahre 1987 wurde bei der Schießgruppe durch die Errichtung von sechs elektrischen Scheibenzuganlagen eine technische Innovation eingeführt die den Trainings- und Wettkampfbetrieb erheblich zu vereinfachen half. Zudem schritt die Entwicklung immer besserer Präzisionswaffen weiter fort mit der Folge. dass der Verein sich gezwungen sah, stetig neue Luftdruckwaffen zu erwerben, um im Schützenkreis nicht den sportlichen Anschluss zu verlieren. In den 1990er Jahren stellte der Schützenkreis Haltern-Dorsten den Vereinen erstmals ein Gerät zur elektronischen Auswertung der beschossenen Scheiben zur Verfügung. Ein solches Gerät wurde dann im Jahre 1999 vom Verein selbst erworben.

Im Zuge der Jahreshauptversammlung des Jahres 2002 trat Franz Schulte aus Altersgründen von seinen Aufgaben als 1. Vorsitzender zurück. Die Versammlung wählte Leonhard Krampe einstimmig zum Nachfolger, Franz Schulte wurde gleichzeitig zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Im selben Jahr etablierte sich im Westfälischen-Schützenbund das sogenannte Liga-Schießen. Da für die Teilnahme an diesem Wettbewerb das Vorhandensein von mindestens 10 Schießbahnen erforderlich war, plante und beschloss der Verein die Errichtung eines neuen Schießstandes, sowohl für Luftdruckwaffen als auch für Klein- und Großkaliberwaffen. Mit dem Bau der neuen Luftgewehranlage wurde dann im Jahre 2005 begonnen und bereits zum 50. Jubiläum im selben Jahr wurde Richtfest gefeiert.

Mit der Fertigstellung der Arbeiten verfügte der Verein nun über einen den technischen Anforderungen der Zeit entsprechenden Schießstand mit 14 Bahnen für Luftdruckwaffen, der größten Anlage im Schützenkreis Dorsten-Haltern. Damit war sie prädestiniert für die zukünftige Ausrichtung zahlreicher Veranstaltungen wie Stadt- und Kreismeisterschaften.

Als innovativer und dem technischen Fortschritt stets aufgeschlossener Verein beschlossen die Mitglieder im Jahre 2014 zwölf der vorhandenen vierzehn Schießbahnen von elektrischen Seilzuganlagen auf elektronische Messrahmen umzurüsten. Drei der nun nicht mehr benötigten alten Seilzuganlagen wurden den Feldmärker Schützen übergeben, die übrigen neun Anlagen nebst der bisherigen Auswertungsmaschine wurden einem neu gegründeten Verein in Dresden als Gründungshilfe überreicht.

Die neue Anlage wurde im August 2014 in Betrieb genommen und ermöglicht nunmehr eine berührungslose Vermessung der Geschosse mit einer bis dahin nicht erreichten Messgenauigkeit anhand gekreuzter LED-Lichtschranken in einem Messrahmen. Die Schießergebnisse werden direkt und für Jedermann einsehbar auf einem Monitor über der jeweiligen Schießbahn angezeigt. Damit ist ein transparenter und für den Zuschauer interessanter Wettbewerb erreicht.

Finanziert wurde das gesamt Vorhaben mit Mitteln des Landes für den Sportbetrieb, in erster Linie aber durch eigene Mittel, Spenden sowie die tatkräftige Mithilfe zahlreicher Vereinsmitglieder.

So zeigte sich Gerd Feldmann für das Netzwerk der Anlage verantwortlich (hierfür wurden geschätzte zwei (!!!) Kilometer Netzwerkkabel installiert), die Workstation wurde von Thorsten Mosko gesponsert und Heinrich Schulte-Bocholt steuerte drei Kontrollmonitore bei.

Viele Arbeitsstunden waren erforderlich, um diese Anlage mit Vorbildfunktion für viele Vereine im weiteren Umkreis fertigzustellen. Durch ihren besonderen Einsatz haben sich dabei folgende Mitglieder besonders verdient gemacht, dabei gilt der Dank allen, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben: Leonhard Krampe, Gerd Feldmann, Harald Bartsch, Rolf Frerick, Jan Kassenböhmer, Mika Jansen, Heiner Tinnefeld, Daniel Medding, Anja Hampel, Pia Hampel, Matthias Hampel, Lisa Fink, Fabian Berger, Sebastian Loick, Katharina Rekers, Sandra Schlüter, Siegfried Höller, Martin Köllmann.

Dass insbesondere die hervorragende Jugendarbeit des Vereins auf fruchtbaren Boden gefallen ist, zeigte sich in den jüngsten Jahren darin, dass Katharina Rekers bereits dreimal an den Deutschen Meisterschaften teilgenommen hat und erst jüngst bei den Landesmeisterschaften wiederum die Qualifikation für eine vierte Teilnahme erreicht hat.

Anlässlich des 60jährigen Vereinsjubiläums lädt die Schießgruppe Rhade alle Rhader Bürger, Vereine, Verbände, Nachbarschaften, Kegelclubs und andere Gruppen am 26.09.2015 zu einer Dorfmeisterschaft im Schießen ein und gibt allen Interessierten damit die Möglichkeit, die neu geschaffene Technik persönlich in einem sportlichen Wettstreit auszuprobieren und gleichzeitig einen geselligen Abend zu verbringen. Beginn der Veranstaltung ist um 17.00 Uhr im „Schießsportzentrum“ am Dahlenkamp. Aktive Schützen nehmen an dieser Meisterschaft nicht teil, um auch dem nicht so geübten Schützen die Chance auf eine erfolgreiche Teilnahme zu ermöglichen.

Die Schiessgruppe besteht im Jubiläumsjahr 2015 aus rund 130 aktiven und passiven Mitgliedern. Folgende Schützen gehören im Jubiläumsjahr dem Vorstand an:

Geschäftsführender Vorstand: 1. Vorsitzender Leonhard Krampe, 2. Vorsitzender Thorsten Mosko, Schießleiter Harald Bartsch. Erweiterter Vorstand: Jugendwarte Lisa Fink, Pia Hampel, Sabine Lohrengel (nunmehr mit C-Trainer-Lizenz), Daniel Medding, Kassenwart Heinrich Schulte Bocholt, Gerätewarte Karl Heinz Frerick und Matthias Hampel, Pressewart Siegfried Höller.